Einige Gedanken zur Zufriedenheit
Rezepte schmecken selten so gut wie die Speise.
Zunächst eine simple Frage "Bin ich zufrieden?" Eine einfache Frage, die mit "Ja" oder "Nein" zu beantworten ist.
Leider haben einfache Fragen meist keine einfache Antworten, da die Einfachheit der Frage nicht anhand des Frageraumes, der sich aufgrund Frage öffnet, gemessen wird, sondern anhand der Anzahl der Worte oder anhand der Wortlängen der Frage.
Die obige Frage wäre einfacher zu beantworten, wenn das Objekt, auf das sich die Eigenschaft "zufrieden" bezieht, angegeben wird. Hilfeich wäre dann auch, wenn der Fragende und der Beantworter ein gemeinsames Verständnis über das zu untersuchende Objekt, das auf seine Zufriedenheit untersucht wird, haben.
"Bin ich zufrieden mit ..."
Da in der ursprünglichen Frage kein "mit ..." angegeben wurde, müssen wir uns nun damit beschäftigen, welches "mit" der Fragesteller wohl gemeint haben könnte. Nun da ich die Frage mir selbst gestellt habe, kann ich dies leicht beantworten, es war unausgesprochen gemeint:
"Bin ich zufrieden mit meinem Leben?"
Die Frage ist nun etwas spezifischer, sie sollte wohl leichter zu beantworten sein. (Der Konjunktiv sollte zu denken geben.) Leider ist der Begriff "Leben" für mich nicht so ganz genau umrissen. "Leben" im Kontext von biologisch, psychisch, sozial oder privat, oder was einem noch so an mehr oder weniger willkürlichen Kategorien so einfällt.
Leider bringt eine Aufteilung von "das Leben" uns auch nicht weiter, um die Frage zu beantworten.
Um die Frage wirklich zu beantworten, müssen die Einteilungen des Begriffes "das Leben" untereinander geprüft werden, ob und wie sie sich im Sinne des Gesamten abgrenzen oder überschneiden. Ausserdem stellt sich dann noch die Frage, wenn die Einzelfragen beantwortet sind, wie zusammen dann die Gesamtfrage "zufrieden mit dem Leben" beantwortet, werden soll. Müssen alle Einzelfragen mit "Ja" beantwortet sein, damit Gesamtfrage mit "Ja" beantwortet werden kann, oder genügt eine "Ja" Mehrheit, eine "Ja" Zweidrittel-Mehrheit?
Ich glaube, wir sind leider nicht wirklich weiter gekommen mit Beantwortung "Bin ich zufrieden mit meinem Leben?".
Nachdem wir mit der Untersuchung mit den Begriffen "zufrieden" und "zufrieden mit deinem Leben" nicht weiter gekommen, können wir die Frage auch zunächst unbeantwortet lassen und unser Augenmerk auf die beiden ersten Worte "Bin ich" lenken.
Anleitung zur Beantwortung der Frage für einen selbst
Eine Antwort kann eigentlich nur in Retrospektive des bisherigen Lebens (was immer der Frager und der Beantworter darunter verstehen) beantwortet werden. Die Antwort wird schwerlich für das zukünftige Leben gelten, das dieses noch nicht verstrichen und somit noch nicht untersucht oder reflektiert werden kann.
Eine weitere Facette in der Beantwortung der Frage ist, nicht zu versuchen diese mit "Ja" oder "Nein" zu beantworten, sondern den Fokus der Betrachtung auf die Antwort selbst zu lenken und den Folgen der Beantwortung.
Welche Konsequenzen ergeben eine Antwort mit "Ja", welche eine Antwort mit "Nein"?
Die Konsequenz einer Antwort "Ja" ist wohl vorderhand einfach. Ich brauche nichts ändern, bislang bin ich zufrieden und ich werde es in Zukunft auch sein.
Die einzige Unsicherheit in dieser einfachen Darstellung ist die Annahme, dass die Zukunft keine Änderungen im Vergleich zu dem bisherigen Leben bereit hält. Realistischerweise ist diese Annahme nicht haltbar, zumal man selbst nur begrenzt die Möglichkeit hat die Zukunft und auch die Zukunft von einem selbst zu beeinflussen oder zu kontrollieren.
Die Konsequenz einer Antwort "Nein" ist wohl unmittelbarer. Die unmittelbare Konsequenz ist, dass das bisherige Leben nicht so gut gelaufen ist. Das Eingeständnis, dass das bisherige Leben nicht zufrieden gewesen ist, bedeutet auch, dass man selbst falsche Entscheidungen getroffen hat und einen falschen Weg eingeschlagen hat. In der Retrospektive gesehen, ist dieser Weg nun als unzufriedend bewertet.
Die weitere Konsequenz einer Antwort "Nein" ist, dass man, wenn man die Fehler der Vergangenheit nicht prolongierend in die Zukunft fortzusetzen möchte, Veränderungen des Lebens betrachten muß.
Nun die Überlegungen zur Veränderungen sind wohl nicht einfacher als die Frage selbst "Bin ich zufrieden mit meinem Leben?".
Abschluß
Nachdem weder die Frage "Bin ich zufrieden mit deinem Leben?", noch das Finden der möglichen Antworten "Ja" oder "Nein" wirklich beantwortet habe, möchte ich den Blog beschließen.
Referenzen
[1] William T. Shakespeare :
There ain't no good or bad, but thinking makes it so
[2] Rainer Maria Rilke : Der Spaziergang
Spaziergang
Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten,
dem Wege, den ich kaum begann, voran.
So faßt uns das, was wir nicht fassen konnten,
voller Erscheinung, aus der Ferne an
und wandelt uns, auch wenn wirs nicht erreichen,
in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind;
ein Zeichen weht, erwidernd unserm Zeichen ...
Wir aber spüren nur den Gegenwind.
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