Die Kunst eine Jazz BigBand zu leiten
Ein Interviewgespräch zwischen Markus King und Bernhard Huber am 10. Oktober 2026.
Wir treffen einander in der Galerie. Vor dem Gespräch unternehmen wir noch einen Rundgang durch die Ausstellung ATTITUDE. Wir besuchen gemeinsam zunächst das Gebäude der ehemaligen Erziehungsanstalt und danach die Räumlichkeiten in der Galerie. Wir setzen uns an den Glastisch in der Galerie und starten mit dem Interviewgespräch quer durch die Geschichte der Musik und des Jazz im Besonderen.
Bernhard: Grüß dich Markus, danke, dass du dir Zeit genommen hast zu diesem Gespräch.
Markus: Bitte, gerne
Bernhard: Du organisierst Veranstaltungen wie Jazz Sounds am Naschmarkt, wo eine ganze Big Band auftritt.
Markus: Ja. Man muss dazusagen, das mit der BigBand, das mache ich relativ frisch.
Bernhard: Was fasziniert dich an Jazz so?
Markus: Also ich bin ein Mensch, der klassische Musik gerne mag. Aber das Feuer brennt mehr für den Jazz. Ich selbst finde Jazz sehr faszinierend, weil die Interaktion unter den Musikern sehr stark ist und weil dieses Überraschungsmomentum halt immer dabei ist. Es wird live improvisiert. Es ist eine Kunst, bei der man nicht reproduziert, sondern eigentlich Neues schafft, direkt auf der Bühne.
Bernhard: Bei der Big Band, wenn sich jemand verspielt. Hörst du alles?
Markus: Nein ich höre nicht alles
Bernhard: Gibt es da Abmachungen, wie man damit umgeht?
Markus: Also nachdem in der BigBand keine Profimusiker sind, sondern Schüler, steht für mich der pädagogische Aspekt sehr weit im Vordergrund. Wir probieren das miteinander aus und versuchen die Sache ein bisschen zum Swingen zu bringen. Resumee: Wenn es zu schwer ist, traue dich mitzuspielen, wenn du falsch spielst, ich sage sicher nichts.
Bernhard: Wir hören das als Publikum auch nicht.
Markus: Ja, sicher - lacht. Es gibt ja in der Psychologie den Begriff des sogenannten Flow. Wie man in den Flow kommt und wie man im Flow auch arbeiten kann. Der Flow bedeutet, dass man gefordert ist, aber nicht überfordert ist. In diesem Grenzbereich, der mitunter sehr schmal ist, kann man alles und arbeitet dabei auch noch beinahe anstrengungslos. Das anstrengungslose Arbeiten ist eine tolle Sache. Diese Insel zu finden, auf der man gut und produktiv arbeiten kann, aber sich nicht ausbrennt vor Begeisterung oder Überforderung. Wenn wir davon wissen, sollen wir das unseren Schülern oder Schutzbefohlenen auch versuchen mitzugeben. Und insofern soll sich das auch in der BigBand widerspiegeln, dass niemand überfordert ist.


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